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21.01.2020

Geheimnis um den unbekannten Maler des großen Wandgemäldes in Plütscheid wurde entschlüsselt

Fotos Michael Fischer Gottesdiensthelfer Paul Heinisch und Pfarrer Georg Josef Müller während des Gottesdienstes

Fotos Michael Fischer Gottesdiensthelfer Paul Heinisch und Pfarrer Georg Josef Müller während des Gottesdienstes

Plütscheid (red/boß) Ein schmuckes dörfliches Kleinod ist seit seinem Patronatsfest im Januar wieder zugänglich, das Gotteshaus in Plütscheid. Die dem heiligen Antonius dem Einsiedler geweihte Kirche

und einzige Filiale der Pfarrei Lambertsberg wurde nach einer umfangreichen Deckensanierung mit einem festlichen Hochamt wiedereröffnet.

Der Kirchenraum war prall gefüllt, als Pfarrer Georg Josef Müller den Gottesdienst eröffnete. Der Geistliche aus Waxweiler dankte in seiner Ansprache all denen, die sich haupt- und ehrenamtlich für den Erhalt der Filialkirche eingesetzt haben, die nun wieder in vollem Glanz erstrahlt. Der Musikverein Plütscheid-Lambertsberg unter der Leitung von Johannes Krütten sorgte zusammen mit Josef Hahn an der Orgel für eine klangvolle musikalische Umrahmung. Die Frauengemeinschaft lud alle Gäste anschließend zu einem Umtrunk auf den Kirchenvorplatz ein.

Anlässlich der Wiedereröffnung wurde auch über ein kleines Geheimnis der Plütscheider Kirche in mehreren Archiven recherchiert, mit Erfolg. Die Signatur des bisher unbekannten Malers des großen Wandgemäldes von 1953 und zweier Seitenaltarbilder von 1956 konnte entschlüsselt werden. Das Wappen, ein schwarzes T auf goldenem Grund und ein Dreieck im Kreuzigungspunkt als Symbol der Dreifaltigkeit Gottes, gehört zu dem bekannten expressionistischen Kirchenmaler Alfred Gottwald (1893-1971) aus dem schlesischen Tarnau. Gottwald schuf unzählige Portraits, religiöse Bilder, Graphiken und große Wandmalereien in Kirchen und Kapellen. Das Plütscheider Gemälde erstreckt sich über die gesamte obere Hälfte der Rückwand des Altarraumes und zeigt die Darstellung der Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes sowie die Heiligen Helena, Hubertus, Antonius der Einsiedler und Matthias.

Die Verbindung Gottwalds zu Plütscheid kam vermutlich um 1951 herum zustande, als der Kirchenmaler im saarländischen Hemmersdorf künstlerisch tätig war. Dort wirkte zu dieser Zeit Pfarrer Christoph Schmitz (1890-1956), der in Plütscheid geboren ist und zeitlebens einen guten Kontakt zu seinem Heimatort pflegte. Damals kamen auch die 14 Kreuzwegstationen von 1835 aus der Hemmersdorfer Nikolauskirche nach Plütscheid. Die Filialkirche beherbergt ebenso den Kelch von Pfarrer Schmitz aus dem Jahr 1939, gewidmet seinem 25-jährigen Priesterjubiläum.

     

Zur Geschichte
Eine Kirche in Plütscheid ist seit 1463 bezeugt. Sie stand in der Mitte des Dorfes bei der alten Schule bis zum Abriss 1930. Das neue Gotteshaus wurde in den Jahren 1928/29 an seinem heutigen Standort erbaut. In den nachfolgenden Jahrzehnten erfolgten innen und außen mehrfach Sanierungen und teilweise Umbauten. 1986 ersetzten zwei neue Bronzeglocken die alten Stahlglocken aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Eine Antonius-Statue aus rotem Sandstein fertigte und stiftete 2013 Walter Schweigerer, der sich einige Jahre später auch als tatkräftiger Initiator eines neuen behindertengerechten Eingangs einsetzte. Die gottesdienstlich gut genutzte Filialkirche der Pfarrei Lambertsberg wird von vielen Engagierten sorgsam gepflegt und instandgehalten.

Michael Fischer