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19.02.2019

3 Fragen an Michael Fischer zum Thema „Bistumsreform“

Frage INPUT: Was halten Sie als Vorsitzender des „Pfarreienrat Direkt“ der Pfarreiengemeinschaft Schönecken-Waxweiler und als Vorsitzender des Dekanatsrates im Dekanat St. Willibrord Westeifel von der Strukturreform des Bistums?

Michael Fischer: Die Strukturreform kam im Hinblick auf die letzten in den Jahren 2004 (Reform der Dekanate) und 2011 (Reform der Pfarreiengemeinschaften) sehr schnell und in einem sehr großen Ausmaß auf die Gläubigen zu. Sicher ist es notwendig, sich weiter zu entwickeln und in die Zukunft zu planen. Meines Erachtens sollte man die Pfarreien aber nicht auflösen, wie es auch im kommunalen Bereich nicht vorgesehen ist, die Ortsgemeinden aufzulösen. Es könnte einen Verlust der Identität bzw. der Verbundenheit zur Pfarrkirche bedeuten. Ein größerer Zusammenschluss, wie die bisherigen Pfarreiengemeinschaften, nur erweitert auf die Dekanatsebene, hätte ich für besser und sinnvoller gehalten. Man hätte keine neuen Grenzen krampfhaft suchen und finden müssen, sondern die eigenen kirchlichen Grenzen weitgehend beibehalten können. Damit wäre auch das Gros der Gläubigen vor Ort ohne viele Worte aus meiner Sicht mehr als zufrieden gewesen.

Frage INPUT: Halten Sie die strukturelle Veränderung zu Großpfarreien für machbar und sinnvoll – z.B. Pfarreiengemeinschaft Schönecken-Waxweiler zu Prüm?

Michael Fischer: Natürlich sind Großpfarreien denkbar und möglich. Es stellt sich für mich nur die Frage, ob dies schon jetzt an der Zeit und ob das wirklich sinnvoll ist. Mit der Strukturreform stellen sich den Gläubigen so viele pastorale und vermögensrechtliche Fragen, die selbst die Verantwortlichen teilweise noch nicht beantworten können. Dies hat zur Folge, dass eine Unsicherheit der Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort entsteht, die man hätte vermeiden können. Ich bin aber der Meinung, dass man die Reform trotz allem positiv begleiten und gemeinsam überlegen sollte, wie kirchliches Leben in Zukunft aussehen kann, damit der Glaube in den vielen großen und kleinen Orten erhalten bleibt oder sogar noch wächst. Es war das einhellige Votum der kirchlichen Räte der Pfarreiengemeinschaft Schönecken-Waxweiler (außer Ringhuscheid), zur „Pfarrei der Zukunft“ Prüm zugeteilt zu werden, dem letztendlich der Bischof dankenswerterweise entsprochen hat. Hier sollte die Reform helfen, hauptamtliches Personal gerecht aufzuteilen und Kirchenbüros dezentral einzurichten. Es soll erhalten bleiben, was ist, nämlich, dass das christliche Leben in allen Variationen funktioniert und die Gläubigen die Gottesdienste dankbar annehmen und auch als festen Bestandteil sehen.

Frage INPUT: Krise der Kirche: Welche Möglichkeiten sehen Sie, wie die Kirche – auch vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals – aus ihrer Glaubwürdigkeitskrise herausfinden kann?

Michael Fischer: Ich höre und erlebe es immer wieder, wie fest und innig der Glaube an Gott in den Menschen verankert ist, sowohl zu Eucharistiefeiern, anderen Gottesdienstformen, Prozessionen oder im alltäglichen Leben. Die Kirche muss den Glauben offen und ehrlich verkünden und vor allem auch so leben. Unter diesen Umständen hätte es den schändlichen Missbrauchsskandal gar nicht erst nicht gegeben und vielen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wäre großes Leid erspart geblieben. Nun, wo es anders gekommen ist, muss mit allen verfügbaren Mitteln aufgearbeitet werden, wo es nur geht. Durch gute Kinder- und Jugendarbeit wie beispielsweise Kinderkirche, Messdienerarbeit und Familienfreizeiten lässt sich Vertrauen neu gewinnen.

Das Interview führte Hilde Boßmann