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28.08.2019

Heute: Märtyrerpriester und Dechant Josef Zilliken - Unvergessen?

Wer erinnert sich eigentlich heute noch an den Prümer Märtyrerpriester Josef Zilliken, der am 3. Oktober 1942 im Konzentrationslager Dachau starb? In Prüm muss man lange nach seinen Spuren suchen.

Geht man über den Friedhof, so kommt man am Prümer Priestergrab vorbei. Eine verwitterte Tafel weist nur den auf den tapferen Pfarrer und Dechanten Zilliken hin, der die Tafel von früher kennt und erraten kann, was da geschrieben steht. Kein Denkmal, keine Straße, kein Stolperstein erinnert an den "Widerstandskämpfer".
Dabei war er bereits 1932 in Predigten gegen den Rechtsradikalismus eingetreten und hatte sich mit dem späteren Kreisleiter der NSDAP einen unversöhnlichen Feind gemacht. Streitpunkt war vor allem die Euthanasie, gegen die Zilliken zu Felde zog. 1936 wurde der Prediger zu drei Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er die menschenverachtende Ideologie der Nazis anprangerte. Immer wieder kam es im Lauf der folgenden Jahre zu Konflikten. Zillikens Predigten wurden mitstenografiert, die Kirche immer mehr in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Schließlich ließ sich Josef Zilliken nach Wassenach versetzen. In Maria Laach kam es dann zu der verhängnisvollen Begegnung mit Reichsleiter Hermann Göring, den Zilliken nicht vorschriftsmäßig grüßte. Die Folgen sind bekannt: Verhaftung, Transport nach Buchenwald und später nach Dachau, wo er an einem Herzversagen starb. Seine letzten überlieferten Worte an seine Pfarrkinder: "Steht loyal zur katholischen Kirche und bleibt fest im Glauben."
Frage: Wie können wir hier in Prüm angemessen an den mutigen Martyrerpriester erinnern in Zeiten, wo rechtsradikale und faschistische Tendenzen wieder an Boden gewinnen?
Es ist auch erlaubt, darüber nachzudenken, wie Christen zu solchen Taten imstande sein konnten?
Auch heute noch werden in der Abteistadt unbescholtene Bürger denunziert und mit Unwahrheiten belegt.

Hilde Boßmann

Leserbrief von Stadthistorikerin und Gästeführerin Monika Rolef:
Seit Jahrzehnten mache ich Führungen in der Basilika und keine einzige, ohne auf das Leben und den Märtyrertod von Dechant Zilliken hinzuweisen. In der Basilika steht neben dem Hl. Josefs-Altar auf einer Tafel mit Foto der Lebenslauf des Priesters Dr. Josef Zilliken.
Walter Ferber (Feuerbach) schreibt in seiner Broschüre: "55 Monate Dachau": "Von besonderer Rohheit im Umgang mit Geistlichen zeugte der Fall Zilliken. Er ist inzwischen verhungert - wurde ins Konzentrationslager eingeliefert, weil er Göring auf einer Promenade nicht gegrüßt hatte. Er musste auf Anordnung Görings im Lager von morgens bis abends mit zum Hitlergruß erhobenem Arm einhergehen. Als er den Arm nicht mehr hochalten konnte, wurde er geschlagen. Unter dem Gejohle der SS hat er aus Kot den Kölner Dom modellieren müssen. Er "starb" am 3. Oktober 1942 in Dachau.

Leserbrief von Joachim Schröder aus Pronsfeld
PRÜM AKTUELL hat zurecht die Idee aufgegriffen, Pastor Zilliken besser zu würdigen. Ich möchte anregen, in Prüm den Verbindungsweg am Kreuzweg Kalvarienberg zum Bestattungswald und eventuell weiter zum Krankenhaus "Dechant-Josef-Zilliken-Weg" zu nennen.
Übrigens: Das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts ist ein hagiografisch-historisches Verzeichnis von Personen, die nach römisch-katholischer kirchenamtlicher Definition als Märtyrer gelten. Es wird im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz von Helmut Moll herausgegeben. In diesem Verzeichnis ist auch der mutige Pastor Zilliken gelistet - als „Blutzeuge aus der Zeit des Nationalsozialismus“.

(Mehr zu Josef Zilliken im untenstehenden PRÜM AKTUELL-Archivbericht vom 29.01.2012)

Dechant Josef Zilliken stand unbeugsam zu seinem Glauben und leistete Widerstand gegen das Naziregime

Prüm (red) Zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus: Josef Kaspar Zilliken war ein katholischer Geistlicher, der während der NS-Zeit in KZ-Haft geriet. Nach Jahren der Bespitzelung und Schikanierung wurde er von der Gestapo festgenommen, weil er Hermann Göring (1893-1946) bei einem zufälligen Zusammentreffen nicht vorschriftsgemäß gegrüßt hatte.
Er starb im treuen Glauben an Gott und die Kirche im KZ Dachau, geschwächt durch die unmenschlichen Lebensbedingungen. Er gilt als Widerstandskämpfer und „Märtyrerpriester“.
Zilliken wurde am 17.9.1872 als Sohn einer Uhrmacherfamilie in Mayen geboren. Die Eltern waren Friedrich Zilliken und Margaretha Klee. Von 1884 bis 1888  besuchte er das Mayener Progymnasium, dann bis 1891 das Gymnasium in Prüm und legte am 7.3.1894 am Kaiserin-Augusta-Gymnasium in Koblenz die Reifeprüfung ab. Es folgte das Studium der Philosophie und katholischen Theologie am Bischöflichen Priesterseminar in Trier.
Am 26.3.1898 wurde er in Trier von Bischof Michael Felix Korum zusammen mit 37 anderen Kandidaten zum Priester geweiht. Anschließend wirkte er als Kaplan im saarländischen Sulzbach, bis er am 26.3.1901 nach Bestehen seines Pfarrexamens zum Pfarrer in Wolfersweiler bei St. Wendel berufen wurde. 1905 wechselte er in die Pfarrei Thalexweiler bei Ottweiler, wo er sich bis 1922 um die verhältnismäßig große Pfarrei zu kümmern hatte. Im Februar 1922 wurde Zilliken zum Pfarrer von Prüm und im Dezember des gleichen Jahres auch zum Dechanten des Dekanats Prüm ernannt.
Der heimatliebende und kirchentreue Josef Kaspar Zilliken erwies sich zunächst als unermüdlicher Kämpfer gegen die Separatistenbewegung in der Eifel und später als unerbittlicher Gegner der Nationalsozialisten.
1932 hatte er die erste, sofort folgenreiche Begegnung mit einem Mitglied der NSDAP, einem Zahnarzt, der seine Monopolstellung in Prüm nutzte, um seine politischen Ansichten zu verbreiten. Er wurde zum Gegner, als Zilliken versuchte, diese Propaganda zu unterbinden und ihn aus seinem Amt zu entfernen. Das Bistum Trier unterstützte den Pfarrer, als der Zahnarzt sich dort beschwerte. Ein Jahr später wurde dieser Mann Kreisleiter der NSDAP Prüm. Von nun an stand Zilliken unter strenger Beobachtung und wurde schikaniert. So erhielt er unter anderem  Anzeigen wegen Verweigerung des deutschen Grußes und ähnlicher „Delikte“. Eine auf Bewährung ausgesetzte dreimonatige Gefängnisstrafe bekam er wegen „Beleidigung“ des Parteiideologen Alfred Rosenberg (1893-1946) in der Silvesterpredigt 1934.
Da er in Prüm nun als „katholischer Aktivist“ eine schwierige Stellung hatte, bat er Bischof Franz Rudolf Bornewasser um Versetzung. Am 17.12.1937 übernahm Zilliken die kleine Pfarrei Wassenach in der Eifel nahe dem Laacher See; die offizielle Einführung erfolgte erst am 30.1.1938. In Wassenach tat Zilliken seine Abneigung gegen die NS-Ideologie weiterhin unvermindert kund. Nach Verhören und Strafbefehlen wegen Verächtlichmachung der NS-Weltanschauung, wegen eines Verstoßes gegen das „Heimtückegesetz“, wegen kritischer Predigtäußerungen und wegen Beleidigung wurde ihm schließlich im Jahr 1939 der staatliche Gehaltszuschuss gestrichen.
Am 27.5.1940 besuchte Zilliken in Gesellschaft von Johannes Schulz (1884-1942), dem Pfarrer des Nachbarortes Nickenich, das Ausflugslokal „Waldfrieden“ in Nickenich. Beide begingen den Affront, den zufälligerweise ebenfalls als Gast anwesenden Hermann Göring  nicht nur nicht mit dem verpflichtenden „Heil Hitler“ zu grüßen, sondern ihn und seine Begleitoffiziere zu ignorieren. Göring fühlte sich brüskiert und Zilliken wurden noch am selben Abend von der Gestapo verhaftet und in das Gefängnis Andernach verbracht.
Am 8.6.1940 ordnete das Reichssicherheitshauptamt in Berlin für Zilliken die so genannte „Schutzhaft“ an. Am 14.6.1940 wurde er  in das KZ Buchenwald deportiert, am 31.7.1940 in das KZ Sachsenhausen-Oranienburg überstellt und schließlich am 14.12.1940 in das KZ Dachau.
In Dachau waren sehr viele Geistliche inhaftiert; unter unmenschlichen Bedingungen lebten sie  im so genannten Priesterblock. Zilliken - Häftlingsnummer 22409 - war zunächst im Block 28, Stube 1 und später im Block 26, Stube 3 untergebracht. Zu dieser Zeit waren die geistlichen Häftlinge noch von körperlicher Arbeit freigestellt – ein Privileg, das sie 1942 verloren. Nun mussten auch die Geistlichen schwere körperliche Arbeiten verrichten. Dazu kamen von Anfang an Quälereien wie Strafexerzieren und Stockhiebe zur Ahndung von Zuwiderhandlungen gegen die Lagerordnung. Außerdem litten die Gefangenen unter Hunger und den entsetzlichen Haftbedingungen. Gnadengesuche des Generalvikariats des Bistums Trier, vertreten durch Generalvikar Heinrich von Meurers (1888-1953), an das Reichssicherheitshauptamt blieben ohne Erfolg.
Josef Kaspar Zilliken starb am 3.10.1942; die offizielle Todesursache lautete Herz-Kreislauf-Versagen in Verbindung mit einer Lungentuberkulose. Vor seiner Verlegung in die Krankenstation hatte er noch von seinen Mitgefangenen in der „Blockkapelle“ das Sakrament der Krankensalbung empfangen und eine letzten Botschaft an seine Pfarrkinder in Wassenach übermitteln können, loyal zur katholischen Kirche zu stehen und im Glauben fest zu bleiben.
Zehn Tage nach seinem Tod fand in der Pfarrkirche von Wassenach im Beisein von 60 Geistlichen und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung das Sterbeamt für den Verstorbenen statt, dessen Urne im November 1942 auf dem Friedhof in Wassenach bestattet wurde. Nach dem Ende des NS-Regimes erhielt seine letzte Ruhestätte eine würdige Gestaltung in der Mitte des Priestergräberfeldes. In der Pfarrei Wassenach wurde eine Straße nach ihm benannt.

Josef Kaspar Zilliken war ein katholischer Geistlicher, der in der NS-Zeit treu zu seiner Kirche stand und mutig, ohne die Konsequenzen zu fürchten, den NS-Schergen und ihrer Ideologie die Stirn bot. Er gilt als „Märtyrerpriester“ und unbeugsamer Widerstandskämpfer. Pfarrer Zilliken setzte ein Zeichen, dass es wichtig ist, auch in schweren Zeiten zu seinen Überzeugungen und Idealen zu stehen.


Quelle Landschaftsverband Rheinland - Persönlichkeiten

Literatur
Münch, Maurus: Unter 2579 Priestern in Dachau- Zum Gedenken an den 25. Jahrestag der Befreiung in der Osterzeit 1945, Trier 1972.
Persch, Martin, „Meine Zeit hier ist reich…“. Die Trierer Märtyrerpriester im Konzentrationslager Dachau 1940-1945, in: Kurtrierisches Jahrbuch 37 (1997), S. 157-182.
Persch, Martin,  Artikel Zilliken, in: Moll, Helmut (Hg.), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn 1999,  Band 1, S. 584-587.
Zutter, Albrecht / Elsigk, Richard, Weil er Göring nicht grüßte. Das Schicksal des saarländischen Pfarrers Johannes Schulz, St. Ingbert 1995.