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Prüm eifelstark
Einkaufsführer A-Z
13.01.2019

Zu Besuch bei Tante Emma in Pronsfeld im Jahr 1955

Pronsfeld (red/boß) Unsere „Tante Emma“ in Pronsfeld hieß Katharina Heinz, nur „Basten Käthchen“ genannt. Ihr Domizil mit Laden befand sich mitten im Dorf, an der Kreuzung Prüm, Habscheid, Lünebach.

Es war eine bescheidene Wohnung im Obergeschoss, der Ladenraum umfasste kaum mehr als 25 Quadratmeter. Aber es war wie immer früher – man war genügsam und zufrieden.
Zuerst möchte ich auf ihren freundlichen Charakter und ihr mildtätiges Wesen verweisen – nicht selbstverständlich in den Nachkriegsjahren! Selbstverständlich war es bei Käthchen – einer sehr gläubigen Junggesellin - , dass es nach jedem Einkauf für uns Kinder ein Bonbon gab, man durfte wählen zwischen einem „Zückerchen“,  also einer süßen Kamelle, einem „Himbeerchen“, einem fruchtigen „Böngchen“ oder einer „Malz“, das war der kleine braune Block, der es mir besonders angetan hatte.
Blieben mal zwei Pfennige übrig, wählte ich noch zusätzlich eine Kirsche, das war sogar „Kamelle plus“, nämlich ein kleiner runder Lutscher. Hatte ich mal einen Groschen zuviel, entschied ich mich immer für eine Lakritzschnecke oder ein „Pfeifchen“ – bestehend aus Lakritz und einer Pfeifenfüllung aus zuckrigem buntem Süßstoff. Manchmal durfte es auch ein Mohrenkopf sein. Lecker für den Kindermund! Ich war immer auf’s Neue begeistert.
Nun sei noch erwähnt, dass es für mich ein leicht ausgefallener Einkaufstag war: es war der Vorabend des  Kirmessonntags. Ja – ich bin ein Sonntags- und Kirmeskind. Also wurde das Kirmesgeld mal schön zurückgehalten, um tags darauf wenigstens ein paar „Knuppautofahrten“ finanzieren zu können. Das selbst im Vorblick auf „Päter“ und „God“ , die beide immerhin ein kleines Kirmesgeld „springen ließen“.
Das „Zeitbild“ ist nur deshalb so authentisch lieferbar, weil ich genau den Einkaufszettel von 1955 noch in meiner Schreibwerkstatt „wie einen Augapfel“ behüte - freilich vergilbt und ramponiert. Aber was heißt das schon? Dieses Mini-Dokument ist mir persönlich so wichtig wie anderen ihre Geburtsurkunde.

Joachim Schröder