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Prüm eifelstark
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20.07.2019

Ein Bummel über den neuen Platz bei Lichterschein

Foto Heinz-Günter Boßmann: Besondere Atmosphäre mit Licht und Schatten

Foto Heinz-Günter Boßmann: Besondere Atmosphäre mit Licht und Schatten

20.07.2019: Leserbrief von Michael Steffens zum Thema Hahnplatz in Prüm:
Der Hahnplatz und das Rondell/Kreisel sind ja nun mittlerweile fertig, und ich erlaube mir als einer in tiefster Seele mit seiner Heimatstadt immer noch sehr verbundener Prümer einen Kommentar dazu: Selten habe ich so eine Stein-, Beton- und Teerlandschaft gesehen. Die Kirschbäume am unteren Hahnplatz verdecken zurzeit komplett aus Sichtweise der Webcam den Blick auf den wunderbaren Eingang zur alten Abtei. Ob die ganze Anlage barrierefrei ist, wage ich zu bezweifeln. Aber zumindest ist der Ansturm der Motorrad- und Fahrradfahrer vor der Gastronomie beim Hotel Goldener Stern bei schönem Wetter schon beeindruckend.

20.07.2019: Offener Brief von Jürgen K. Rieff, Lahnstein, zum neu gestalteten Prümer Hahnplatz:
Als ich mich kürzlich zu einem Stammtisch in meiner alten Heimatstadt Prüm einfand, war ich sehr gespannt. Denn weil stets eine Reihe „Auswärtiger“ (bin auch einer) teilnimmt, möchten diese auch wissen, was sich in der Stadt so verändert hat.
Es war angekündigt, dass wir uns in diesem Rahmen auch den Hahnplatz zusammen anschauen sollten. Mich hielt es nicht lang am Tisch, draußen vor dem Kölner Hof, denn ich wollte nicht warten bis es dunkel wurde; zu groß war die Neugier. Das wollte ich unbedingt im Hellen sehen.
Langsam und vorsichtig ertastete ich das Gelände, Schritt für Schritt. Aus allen Blickwinkeln versuchte ich, zu verstehen, zu verinnerlichen, was ich hier vorfand, um nicht voreilig zu bewerten oder zu beurteilen. Aber spätestens, als ich vor der Basilika stand und meinen Blick nach oben der aufsteigenden Fläche entlang wandte, war es mit meiner Geduld zu Ende. Ein monströses Bauwerk, dunkel, fast „feindlich“, in seiner gestalterischen Anlage natürliche Gegebenheiten missachtend und zerschneidend, protzig - als wollte es sagen: „Geht weg, ich bin jetzt da“.
Abstoßend, statt einladend. Brachial, statt anschmiegsam. Kalt, statt klar. Mir klopfte das Herz bei dem Gedanken...was sage ich gleich den anderen, wenn sie mich fragen, wie ich´s denn finde?... Aus der Koblenzer Ecke bin ich es gewohnt, das auch solche Dinge realisiert werden; aber da hat man genügend Ausweichmöglichkeiten.
Aber in Prüm, mitten drin, für jeden fast ständig sichtbar? Sehr, sehr langsam ging ich die Stufen wieder hoch. Für alle Arten von „Rolli-Fahrern“ schien es mir zunächst ein Suchspiel zu sein. „ Wie komme ich da runter und wieder rauf? An welcher Stelle kann und an welcher darf man die Straße überqueren?“ - denn da macht man hier ja scheinbar einen Unterschied. Vielleicht wird man ja noch Schilder aufstellen, denen zu entnehmen sein wird, wie das Ganze zu nutzen ist, dachte ich, war aber wenig beruhigt.
Ein paar „Alibi-Sitzbänke“ als Deko, ein einziges, aus Einzelelementen bestehendes Geländer. Durchaus interessant als Kunstobjekt, aber praktisch nicht zu gebrauchen für die, die sich beim Begehen der Treppe runter und rauf stützen müssen. Und im Winter bleibst du mit den Händen am eiskalten Metall kleben, wenn du keine Handschuhe anhast.
So viel Pflaster! Im ebenen Bereich geht das gerade noch. Aber wie soll das für nicht ganz trittsichere Menschen funktionieren, wenn´s glatt wird? Und dass ist zur kalten Jahreszeit in der Eifel wohl keine Seltenheit.
Die „Wasserspiele“ sind hübsch. Die Kinder werden ihre Freude `dran haben, wenn´s warm ist, und die Eltern können sich auf den „reichlich“ vorhandenen Stufen - solange ihre Sprösslinge dort toben - den Hintern platt sitzen.
Nein, liebe Prümer, dieses gestalterische Kleinod konnte mich nicht besänftigen! Auch die zweireihige Baum-Allee nicht, auch wenn sie sicher noch wachsen und üppiger werden wird.
Der „Gemüsegarten“ oberhalb der Straße ist der Stadt nicht würdig. Waldstadt Prüm? Und dann lasst Ihr Euch so etwas aufschwatzen? Als hättet Ihr keine Ahnung von Natur und deren Gestaltung. Ja, aber für die Gastronomen wurde auch etwas getan. Die Stadt „spendierte“ neue Sitzbereiche für draußen. Leider aber mit schwarz-sandigem Untergrund, um das optische Gesamt-Konzept nicht zu stören – über den Begriff wird noch zu reden sein -. Die Gäste tragen nun den ganzen Dreck in die „Bude“, den Boden einschwärzend und verkratzend. Toll!
Das Material? „Meijusebetter“ würde der Häckhuscheider sagen. Natürlich ist sparen wichtig, aber die großen Basaltblöcke sind zum „Fremdschämen“. „Ihr müsstet als Eifelaner, als Prümer, teils ehemalige Handwerker doch wissen, wie so etwas normalerweise auszusehen hat“, möchte man den Verursachern zurufen.
Das Verlegen? Zu traurig, da will ich gar nicht ´drauf eingehen. Und auf einmal, lieber Prümer, fühlte ich mich ganz schlecht. Meine Jugend habe ich mit vielen von Euch in dem von uns geliebten Städtchen verbracht. Und nun sehe ich mich selbst als Nestbeschmutzer. Wo war ich eigentlich, als die Entscheidung für dieses Jahrhundert-Bauwerk reifte. Ich war nicht da, ich habe Euch allein gelassen, statt zu versuchen Einfluss zu nehmen und Euch vielleicht – ja ganz ganz vielleicht – von diesem Vorhaben abzubringen.
Doch, ich gehe davon aus, dass ich nicht der einzige bin, dem dabei die „Seele brennt“. Sicher wird der ein oder andere versuchen, mit ein paar Blümchen, Pflanzen in Kübeln oder ähnlichem Gerät hier und da selbstverantwortlich umzudekorieren. Um solche wird sich dann das Ordnungsamt kümmern.
Das Gesamt-Konzept darf nicht gestört werden! Dazu hat sich die Mehrheit derer, die die Interessen der Bürger wahrzunehmen haben, entschlossen. Und wo bleiben diese dann? Ja ernsthaft, wo bleiben die Menschen? Hat dieses Gesamt-Konzept einen Mehrwert für sie? Was ist z.B. mit Freizeitwert? Eine Kirmes pro Jahr und zwei drei sonstige Nutzungen – wenn´s hoch kommt – zu einem solchen Preis.
Aber so einfach kommt Ihr, die Ihr das zu verantworten habt, bei mir zumindest nicht weg. Es hat Ähnlichkeit mit der Entscheidung für ein Ganz-Körper-Tatoo. Man braucht eine Weile, bis man merkt, dass man einen großen Fehler gemacht hat, mit dem man so ungern weiter leben möchte. Danach muss man lange sparen und hat einen ungeheuren Aufwand, alles wieder in einen vernünftigen Zustand zu bringen.
Es ist mir klar, dass die Befürworter das Ergebnis mit „Zähnen und Klauen“ verteidigen werden. Es ist aber auch deutlich eine Verunsicherung der Menschen zu erkennen. Wenn ich die anführe, mit denen ich gesprochen habe, müsste man es so wiedergeben: „Ich weiß nicht ob ich es gut oder schlecht finde, ich weiß nur, dass wir damit leben müssen.“ Es wäre sicher sarkastisch zu sagen: Na dann herzlichen Glückwunsch! Das ist ein tolles Ergebnis.
Wie unser Stammtisch zu Ende ging? Na ja, wir sind zusammen im Dunklen hin. Die „Auswärtigen“ hielten sich mit ihrer Ansicht über den Hahnplatz etwas zurück, um die Einheimischen nicht zu kränken. Von der Basilika abgewandt schauten wir in das gleißende Licht der beiden Stelen rechts und links des Platzes. Und, bitte verzeiht mir: Sieht aus wie die Scheinwerfer bei der Landung eines Verkehrsflugzeuges bei Nacht.
Was ich also vom neuen Hahnplatz halte? Es schmerzt mich tatsächlich und offensichtlich, sonst hätte ich das nicht geschrieben.