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30.06.2019

Lesung mit Ute Bales „Die Vögel werden weniger“

Die Eifeler Schriftstellerin Ute Bales liest am 30.6. um 17.00 Uhr in der Ausstellung "Kunst trifft Vulkan" im Konvikt Haus der Kultur in Prüm/Zentralbücherei. In "Die Vögel werden weniger" erzählt sie von der einstigen Schönheit des Wöllersberges, des Vulkanberges ihrer Kindheit – und beklagt seine großflächige Zerstörung.

Dieser Text ist erstmals auch Teil der Ausstellung.

Eigens für die Lesung in Prüm hat Ute Bales neue Texte verfasst, die sie am 30. 6. präsentieren wird. Poetisch und eindringlich beschreibt sie, was der Abbau eines Berges für jene bedeutet, die ihn lieben, für die er Heimat ist.
Veranstalter sind die Katholische Erwachsenenbildung Westeifel, IG Eifelvulkane und die Zentralbücherei Prüm.

Hier ein Auszug aus "Die Vögel werden weniger":
"Wir hatten mal einen Berg. Einen besonderen Berg. Einen aus Lava und Basalt, wo einst Wünschelruten ausschlugen und magische Kräfte aufspürten. Ganz oben trug er mageres Gras und wer ein bisschen in der Erde schürfte, fand Katzengold und versteinerte Muscheln, Schnecken, Seelilien, manchmal zu Stein gewordene Fische. Früher wucherte Hasel – und Berberitzengebüsch an den felsigen Hängen, auch Rosslauch, Heilwurz, seltenes Blaugras, breitblättriger Stengelwurz, schwarze, saftige Brombeeren, die die Zunge färbten. Immer roch es nach Sommer, warm und würzig, oft nach wildem Thymian. Der vielblütige Weißwurz saß im Gras und nickte mit den runden Köpfchen. Höhlen gab es, vor Urzeiten gegraben, mit seltsamen Schriftzeichen auf den felsigen Wänden, über die Moose und Farne krochen und bizarre Käfer mit metallisch glänzenden Rücken. Kinder spielten Winnetou; die Großen entfachten an Sommerabenden Lagerfeuer, spielten Gitarre und verzogen sich paarweise ins Gebüsch.
Im Frühjahr und im Herbst rasteten nächtens die Haolegäns auf den Bergwiesen, blieben ein, zwei Stunden und waren morgens verschwunden. Das ganze Jahr schrien Krähen und Dohlen. Bussarde kreisten in der Luft. Im Gras konnte man liegen und beobachten, wie sie sich in den Himmel schraubten. Schön war es dort.
Heute steht von unserem Berg nur noch die Fassade. Unermüdlich fressen sich Bagger ins vulkanische Gestein. Wer die Fassade hinaufklettert, hat bald die Grube zu Füßen. Wie der Blick in einen geöffneten Körper auf einem OP-Tisch ist das. Entblößt liegen die einst verborgenen Erdschichten. Da, wo der Bagger noch nicht war, leuchten die Farben des Gesteins orange, braun, rot. Loren und Förderbänder stehen bereit. Solche Erde wird es hier nie mehr geben. Jahrmillionen kann man darin lesen. Der größte Teil ist bereits ausgeräumt.
Längst sind die Höhlen verschwunden. Auch die Felsen, das Gebüsch, der wilde Thymian.
Zum Heulen ist das .."