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18.12.2018

Einen „Direktor“ für Heinemann und einen "Oscar" für Mertin

Prüm/Trier/Mainz (boß) Es war ein großer Tag für den bisherigen Richter beim Landgericht Trier. Dr. Marcel Heinemann wurde gestern von Justizminister Herbert Mertin im Beisein vieler Ehrengäste

offiziell als Direktor des Amtsgerichts Prüm eingeführt.
Zunächst wurde aber sein Amtsvorgänger Oliver Emmer von allen Rednern über den grünen Klee für seine kollegiale, aufgeschlossene und soziale Art gelobt. Es wurde aber auch Verständnis aufgebracht, dass er nach knapp zwei Jahren wieder in seine „alte Heimat“ des Amtsgerichts Bernkastel zurückgekehrt ist. Scheinbar große Fußstapfen für seinen Nachfolger Marcel Heinemann, der bereits seit Juli die Anfahrt aus dem Raum Saarburg auf sich genommen hat. Wie aus Insider-Kreisen zu hören war, hat dieser aber inzwischen eine Bleibe am Rande der Karolingerstadt gefunden.
Seine Biografie, sein beruflicher Werdegang  mit großer Verwendungsbreite und das vor Ort vorgefundene versierte Team ließ bei allen Beteiligten Optimismus aufkommen. Und dann noch das motivierende Wort des obersten Dienstherrn: „Sie haben einen guten Direktor verloren, aber Sie werden wieder einen guten bekommen.“
Der stellvertretende Präsident des Landgerichts Trier Wolfgang Specht verlieh dem Justizminister symbolisch in seiner Begrüßungsrede einen „Oscar“ für dessen gute Ergebnisse beim Doppelhaushalt 2019/2020 im rheinland-pfälzischen Landtag, was mit allgemeinem Kopfnicken bedacht und in weiteren Reden gewürdigt wurde. Der Justizminister in seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit: „Das Ganze war so gut, dass noch nicht einmal die Presse darüber berichtet hat und sogar die Opposition bis auf einige Kleinigkeiten damit einverstanden war.“ Schon ein seltener Anblick bei so viel Zufriedenheit in der Besoldungs- und Personalpolitik der Justiz.
„Nein“, so Specht, „mit diesem Oscar ist nicht Oskar Lafontain gemeint,“ - einer der bekanntesten Zöglinge des ehemaligen Bischöflichen Konvikts in Prüm, wo die Feier stattfand.
Es gab auch noch viel Schmeichelhaftes aus dem Munde von Specht über die Stadt Prüm (siehe unten), was den örtlichen Gästen kurz vor Weihnachten sichtbar gut tat. Wer aufmerksam zwischen den Zeilen lesen konnte, dem blieb das Bekenntnis für das kleine Amtsgericht in der Fläche mit seiner sprichwörtlichen Bürgernähe nicht verborgen. Tiefes Durchatmen war zu hören, denn eine Bestandssicherung passt auf den Gabentisch kurz vor Weihnachten. Immerhin betreuen die 20 Bediensteten mit drei Richtern 40.000 Einwohner in Straf-, Zivil-, Familien- und Betreuungssachen in den Verbandsgemeinden Arzfeld, Obere Kyll und Prüm.
Die elektronische Akte bezeichnete der „neue Mann“ Dr. Marcel Heinemann als eine große Herausforderung, vor der man keine Angst zu haben brauche. Aber auch die Rechtsanwälte, so der Sprecher der örtlichen Anwaltschaft Jakob Molitor, müssten nachziehen, um auf gleicher Höhe zu sein. Das sei aber schon bei den meisten Kanzleien passiert.
Heinemann führte weiter aus, dass er ein gutes Team in vorzüglicher Stimmung vorgefunden habe. Bei den Amtsgerichten sei der Generalist gefragt und die Justiz müsse auf die Menschen zugehen. „Auf diese Aufgabe freue ich mich!“, so Heinemann abschließend.
Die musikalische Begleitung der Veranstaltung mit Solo-Einlagen - Geige, Harfe, Posaune und Gesang - lang in den Händen von Schülerinnen und Schülern des Regino-Gymnasiums Prüm unter Leitung von Studiendirektor Martin Leineweber. Hohe Aufmerksamkeit und begeisterter Applaus der Gäste waren die Belohnung für hochkarätige Darbietungen, die der Verabschiedung und Amtseinführung einen würdigen Rahmen verliehen haben.

Heinz-Günter Boßmann

Auszug aus der Rede von Landgerichtsvizepräsident Wolfgang Specht zur Einführung des Direktors Dr. Marcel Heinemann am Amtsgericht Prüm:
„Wer sich in dem riesigen Gedächtnis unserer Zeit, dem Internet, umsieht, der kann zum Stichwort Prüm den folgenden Satz finden: "Prüm provoziert Opposition". Diesen Satz würde ich, lassen Sie mich das vorausschicken, persönlich so nicht unterschreiben. Ich hatte selbst zu Beginn meiner Richtertätigkeit die Gelegenheit und auch die Freude, zwei Jahre lang an diesem Amtsgericht zu arbeiten. Dabei habe ich die Menschen hier eher als solche in Erinnerung, die keine Fundamentalopposition betreiben. Sie können durchaus einmal mit einer von ihnen als solche empfundenen Obrigkeit aneinandergeraten, können auch ordentlich miteinander streiten, aber auch fest zusammenhalten.
Nein, mit diesem Satz wird Oskar Lafontaine, einer der bekanntesten Zöglinge des bischöflichen Konvikts in Prüm, von einem Mitschüler zitiert. Das Konvikt in Prüm wurde 1887 gegründet und 2001 aufgelöst. Diese Einrichtungen hatten vor allem den Zweck, Jungen aus einfachen Verhältnissen, die der Pfarrer der Heimatgemeinde für begabt genug hielt, einen höheren Bildungsabschluss als den der Volksschule zu ermöglichen, vor allem aber, sie für den Priesterberuf zu gewinnen. Lafontaine hatte allerdings wohl nie die Absicht, das ihm als Voraussetzung für seine Aufnahme abverlangte Versprechen einzulösen, später einmal selbst Priester zu werden.
Eine im Jahr 1990 erschienene Biografie des damaligen Kanzlerkandidaten beschreibt, dass das Leben und Denken der Konviktzöglinge vor allem durch das Fehlen von Privatheit geprägt war - die Schüler lebten in großen Schlaf- und Studiersälen -, ferner durch ein Nichtverhältnis zu Frauen, eine ziemlich verbogene Sexualmoral und Küssen galt als Abgrund der Schlechtigkeit - und eine ausgeprägte Hackordnung. Der "hart gesottene, wenig zimperliche Oskar" soll darin immer ganz oben angesiedelt gewesen sein. Insofern lässt der vorhin zitierte Satz, dass Prüm Opposition provoziere, vielleicht auch auf die Neigung und Fähigkeit eines Politikers schließen, seine Macht auf Opposition zu gründen.
Die Konvikte eröffneten jungen Menschen Bildungschancen, die sonst keine gehabt hätten, allerdings nur solchen männlichen Geschlechts. In der heutigen, sich je nach Sichtweise als modern oder postmodern verstehenden Zeit, ist der Gedanke der Bildungschance für jedes Mädchen und jeden Jungen hochaktuell. Die Konvikte waren aber wohl eher keine Orte lebensbejahender und lebensfroher Pädagogik, was sie wiederum mit anderen weitgehend abgeschlossenen Bildungseinrichtungen in jener Zeit gemein haben könnten. Auch über britische public schools wurde z. B. Ähnliches geschrieben.
Heute jedenfalls ist das ehemalige Konvikt ein freundlicher Ort, eine offene Kultureinrichtung, in der die verschiedensten Dienste und Vereine unter einem Dach arbeiten und in dem eine Vielzahl von Veranstaltungen stattfinden. Damit bietet es der Bürgernähe einen Rahmen, wobei im besten Sinne dieses Begriffs darunter nicht nur die Nähe der staatlichen Verwaltung zum Bürger zu subsumieren ist, sondern eben auch die Nähe der Bürger zueinander.
Auch sonst hat Prüm einiges zu bieten. Die Abtei Prüm gehörte zu den bedeutendsten im Mittelalter und hatte große politische, kulturelle und geistliche Bedeutung weit über Eifel und Ardennen hinaus. In der Salvator-Basilika werden als Reliquie die Sandalen Christi, eingenäht in ein Paar Schuhe des Papstes Zacharias, aufbewahrt. Papst Zacharias hatte die Wahl Pippins III. zum König anerkannt und ihm im Jahr 752 als Zeichen der Legitimation seiner Macht durch die Kirche die Reliquie der Sandalen Christi übereignet.“

Mehr siehe auch Polizei und Justiz und Fotos in der Rubrik Fotogalerie