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05.10.2020

Das neue Gondenbretter Münsterberg-Kreuz wurde in bewegter Zeit auf windiger Höhe eingeweiht

Gondenbrett (boß) Der historische Zeitpunkt im  Coronajahr 2020 zum 500-jährigen Pestkreuz-Jubiläum passte genau. Aber das Wetter mit Regen und Sturm

bei der Einweihung des neuen Münsterberg-Kreuzes am 4. Oktober auf windiger Höhe über Gondenbrett ließ zu wünschen übrig. Vielleicht war dies in bewegter Zeit ein symbolhaftes Zeichen.
Dennoch war die Festgemeinde gut gelaunt und die Menschen hatten nach der anstrengenden Prozession mit wehenden Fahnen von der Pfarrkirche auf die Anhöhe ein Lächeln auf dem Gesicht, stellte der finanzielle Förderer des Projektes, Landrat Dr. Joachim Streit, in seinem Grußwort fest. Er lobte die Initiative mit dem philosophischen Satz: „Gut gefasst, halbe Last“.  Beim Kreuz in der Waldeseinsamkeit könne der Mensch mit sich und mit Gott sprechen und in seine Seele schauen.
Der „Kümmerer“ Klaus-Robert Braus hatte in humorvoller Art die Gäste begrüßt und geschichtliche Zusammenhänge wie zum Beispiel 30 Jahre deutsche Einheit, 50 Jahre Eifelkreis Bitburg-Prüm und 500 Jahre Pestkreuz zum Anlass in Bezug gesetzt und allen gedankt, die an der Verwirklichung des Projektes beteiligt waren.
Was war geschehen? Auf Initiative der Heimatforscherin und Ehrenbürgerin der Stadt Prüm, Monika Rolef, wurde in detektivischer Kleinarbeit mit Unterstützung des gebürtigen Obermehlener Bürgers Erich Schmitz der ursprüngliche Standort des Pestkreuzes aus dem Jahr 1520 auf dem Münsterberg gefunden. Daraus entstand die Idee bei Maria und Klaus Braus vom Zukunfts-Check Dorf Gondenbrett, hier ein neues Kreuz zu errichten, welches in moderner Form von dem Wittlicher Bildhauer und Steinmetzmeister Sebastian Langner entworfen und gefertigt wurde. Für die Offenheit zur modernen Gestaltung  bekam die Gemeinde auch in der Vorstellungsrede von Langner ein dickes Lob.
Die Finanzierung ließ nicht lange auf sich warten, da hier der Eifelkreis Bitburg-Prüm als Finanzier in die Bresche sprang. Das Kunstwerk bleibt im Eigentum des Kreises, wurde aber „auf Lebenszeit“ der Ortsgemeinde überlassen.
Die Historikerin Maria Braus beleuchtete in ihrer Ansprache den Standort mit seiner 500-jährigen Geschichte (siehe unten) und betonte: Das alte Pestkreuz, das seit 1984 auf dem Gondenbretter Friedhof steht, ist nie aus dem Gedächtnis der Leute verschwunden, und so schließt sich heute auch ein Kreis.“
Die Einsegnung durch Pater Jineesh E. Manganthanath und Gemeindereferent Thomas Maas wurde passend zum Anlass mit tiefgründigen Texten und der musikalischen Begleitung der Schnee-Eifel-Musikanten unter Leitung von Horst Huppertz zelebriert.
Thomas Maas: „Das Kreuz drückt die Nähe Gottes zu uns Menschen aus und ist unauslöschlich mit dem Leben verbunden. Es ist nach allen Himmelsrichtungen ausgerichtet und von weitem sichtbar. Die Bürger haben sich dafür eingesetzt und viele haben mitgearbeitet. Das ist in Zeiten, wo der christliche Glaube sich zu verflüchtigen scheint, ein zukunftsweisender Einsatz, der Hoffnung macht.“
Landrat Streit wies zum Schluss des Festaktes darauf hin, dass die Menschen im Eifelkreis in der Corona-Pandemie - bei allem Leid in einigen Familien - bisher relativ gut weggekommen seien. Das liege zum einen an dem tollen Gesundheitssystem in Deutschland und zum anderen an den eingeleiteten Maßnahmen vor Ort und der Disziplin der Bevölkerung.
Bleibt zu hoffen, dass das Münsterberg-Kreuz, welches von der K180 Prüm - Gondenbrett über einen Waldweg oder von der B265 gegenüber der Einfahrt Wolfsschlucht gut erreichbar ist, nachhaltige Wirkung hat und als Pilger- und Prozessionsstätte angenommen wird.

Von offizieller Seite nahmen der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm, Aloysius Söhngen, der Prümer Stadtbürgermeister Johannes Reuschen, die Ortsbürgermeister Klaus Nägel (Gondenbrett) und Peter Meyer (Weinsheim) teil und der heutige Bewohner des alten Pfarrhauses Hanns-Georg Salm ließ die Glocken läuten.

Heinz-Günter Boßmann

Lustiges am Rande von eher ernsten Themen: Zwei kleine Kätzchen begleiteten die Prozession und erfreuten sich sichtlich am Festakt.

Weitergehende Informationen: PRÜM AKTUELL – Rubrik Kultur und www.gemeinde-gondenbrett.de

Das alte Pestkreuz von 1520
"In diesem Zeitraum (1519) plagten die Menschen nicht nur die Kriegswirren, sondern auch die Geißel der Pest und des Hungers, und das nicht nur einmal". So berichtet es der Mönch Servatius Otler in seiner Chronik der Abtei Prüm. Infolge dieser Pestepidemie hätten die überlebenden Bewohner der ursprünglichen Siedlung im Flurbezirk "Bei der alten Kirch" - ca. 3 km vom heutigen Gondenbrett entfernt - ihren Wohnplatz verlassen und sich im Mehlental niedergelassen, so der Volksmund bis heute. Auf der Schwelle zur Neuzeit sind auch für das Mehlental einschneidende Veränderungen belegt. So ging zu Beginn des 16. Jh. die Moenster-Erbschaft, ein Ritterlehen, in Bauernhände über und musste fortan den Zehnten zahlen. Am Fuße des Münsterbergs wurde nun eine Kirche und ein Friedhof angelegt. Auf der Höhe errichtete man das Pestkreuz an der Grenze zum Kämmerei-Bezirk Prüm. Das Kreuz zeigt die frühgotische Formensprache mit durchgehender Form auf achteckigem Grundriss und hochliegendem Querbalken. Eckzehen als Verzierung markieren den Übergang zum viereckigen Grundriss und einfachen Sockel. Bemerkenswert ist, dass der Bildhauer den Korpus nach links versetzt hat, um Platz zu schaffen für den Bausch des Lendenschurzes, als notwendiges Attribut. Als zeittypisch gilt auch die Lockenfrisur und die relativ neutrale Expression. Dieses Kreuz war Ziel vieler Pilger und Prozessionen. So führte im 19. Jahrhundert die Erasmus-Prozession über sieben Kreuzwegstationen (7 Fußfälle) zum "ehrwürdigen Kreuz auf der Höhe" (heutiger Verlauf des Jakobsweges). In den Jahren 1950 bis 1965 führte die Prozession zur Erfüllung des Gelübdes vom 8. September 1944 zu diesem Kreuz. Das ursprünglich im Pfarrgelübde festgelegte Ziel, die Kapelle auf dem benachbarten Kalvarienberg, war durch die verheerende Explosionskatstrophe von 1949 zerstört worden.  Im Jahre 1984 wurde das alte Kreuz auf den neuen Friedhof Gondenbrett verbracht.

Das neue Münsterbergkreuz von 2020
Dieses neue Münsterbergkreuz wurde im Corona-Jahr 2020 vom Bildhauer- und Steinmetzmeister Sebastian Langner (Wittlich) entworfen und gefertigt und mit Unterstützung des Eifelkreises Bitburg-Prüm am Standort des alten Kreuzes errichtet. Das Kreuz ist gefertigt aus rotem Kyllsandstein und Mendiger Basaltlava in Form einer Einlagearbeit. Das Kreuz steht im Mittelpunkt eines Ensembles, in das auch zwei alte Sandsteinblöcke integriert wurden, die vor Ort am Standort des alten Münsterbergkreuzes vorgefunden wurden und wohl zum alten Fundament gehörten.

Fotogalerie von Heinz-Günter und Hilde Boßmann

Fotos Heinz-Günter Boßmann: Landrat Dr. Joachim Streit bei seiner Ansprache
Start der Prozession vor der Kirche in Gondenbrett
1. Station auf dem Anstieg zum Münsterberg
Hinweisschild am Jakobsweg
Info-Tafel hinter dem neuen Münsterbergkreuz
Station auf dem Jakobsweg
Endspurt
Mit fliegenden Fahnen
Das neue Münsterberg-Kreuz mit der Prozessionsteilnehmerin Blacky
Schnee-Eifel-Musikanten in Aktion
Klaus-Robert Braus bei der Begrüßung
Sebastian Langner, Bildhauer aus Wittlich, bei der Vorstellung des Kreuzes
Erich Schmitz, Entdecker des ursprünglichen Pestkreuz-Standortes auf dem Münsterberg
Thomas Maas bei seiner Ansprache
Die aufmerksamen Zuhörer hielten Wind und Wetter stand
Pater Jineesh bei der Einsegnung
Die Initiatoren Klaus-Robert und Maria Braus sowie Unterstützer Matthias Schreiber
500 Jahre Pestkreuz Gondenbrett - Standort seit 1984 auf dem Friedhof