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03.05.2019

Die Ausstellung „Frauenarbeit hat viele Gesichter“ von 3. bis 10. Mai im Konvikt zeigt Defizite für Frauen auf

Archivfoto Paula Sonnen: Technische Berufe faszinieren heute auch "Girls" - hier am Girls-Day bei STIHL

Archivfoto Paula Sonnen: Technische Berufe faszinieren heute auch "Girls" - hier am Girls-Day bei STIHL

Prüm (red/boß) Was muss geschehen, um die Bedingungen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern? Und was meint der Begriff „Frauenarbeit“ eigentlich genau? Diesen Fragen nähert sich

die Ausstellung „Frauenarbeit hat viele Gesichter“ an, die ab Freitag, 3. Mai, eine Woche lang im Konvikt in Prüm zu sehen ist.
Frauen arbeiten häufiger als Männer in Berufen, die gesellschaftlich geringer angesehen sind und auch schlechter bezahlt werden. Zugleich leisten sie immer noch den Löwenanteil an unbezahlter Arbeit. Dazu zählen die Pflege von Angehörigen, Kindererziehung oder Tätigkeiten im Haushalt und Ehrenamt. „Mehrfachbenachteiligungen von Frauen sind immer noch festzustellen“, sagt Professorin Dr. Christel Baltes-Löhr, Referentin bei der Eröffnung der Ausstellung. Schlechte Bezahlung, Teilzeitarbeit und zu wenig qualifizierte Kinderbetreuung führen dazu, dass Frauen häufiger von Altersarmut bedroht sind.
An dieser Stelle setzt die Arbeit von Marita Singh ein, Gleichstellungsbeauftragte des Eifelkreises Bitburg Prüm: „Zu meinen Aufgaben gehört es, Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern zu fördern, Diskriminierung zu verhindern und für eine bessere Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf einzutreten“, erläutert sie ihren Auftrag. Vor allem mit Blick über den deutschen Tellerrand hinaus ist die Sachlage alarmierend: „2010 wurden zwei Drittel der Arbeit weltweit von Frauen erledigt. Sie erhalten aber nur 10 Prozent des Einkommens und besitzen nur 1 Prozent des globalen Vermögens“, so Singh.
Bedauerlicherweise habe die Debatte um Gender Mainstreaming (Strategie zur Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen) bislang noch zu wenig verändert, sagt Baltes-Löhr, Geschlechterforscherin an der Universität Luxemburg. Um dieser Problematik auf den Grund zu gehen, müsse man eine tiefergreifende Frage stellen, und zwar: Wer sind überhaupt die Menschen, die von der Gesellschaft als „Frauen“ bezeichnet werden? Es gebe vier Dimensionen, die dafür ausschlaggebend seien, dass Menschen sich selbst einem bestimmten Geschlecht zuordnen und auch von anderen so kategorisiert werden. Frauen würden als Frauen bezeichnet, wenn sie eine bestimmte Körperlichkeit und Gefühlssituation sowie ein bestimmtes Verhalten und sexuelles Begehren hätten. Auch Männer würden anhand dieser vier Dimensionen eingeordnet.
Bis zum Aufkommen der Geschlechterforschung in den frühen 1980er Jahren lebte man in einer zweigeschlechtlichen Ordnung: männlich und weiblich – scheinbar gegensätzlich. Bestimmte Charaktereigenschaften wie beispielsweise Durchsetzungsfähigkeit würden Männern zugeschrieben, sagt Baltes-Löhr. Frauen, die offen durchsetzungsstark handelten, gerieten oft in einen Konflikt, weil ihr Verhalten nicht zu dem Bild passe, das man gemeinhin von Weiblichkeit hat. „Es hat sich auch gezeigt, dass es noch andere Geschlechter gibt, zum Beispiel trans- oder intergeschlechtliche Menschen“, erklärt Baltes-Löhr; diesen Personengruppen komme noch immer zu wenig Beachtung zu.

Arbeiten zu gehen sei für Frauen in unserer Gesellschaft ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Wenn aber Teilzeit und schlechtbezahlte Arbeit die Bereiche blieben, in denen Frauen erwerbstätig sind, und es Probleme bei der Kinderbetreuung gebe, sei der emanzipatorische Effekt geringer. Die Schlussfolgerung von Baltes-Löhr leuchtet daher ein: „Erwerbstätigkeit muss so angelegt sein, dass sie dazu führt, Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern herzustellen.“

Veranstalter der Ausstellung sind der Katholische Deutsche Frauenbund Prüm, die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Westeifel und der Themenschwerpunkt Arbeit im Bistum Trier. Weitere Informationen gibt es bei der KEB Westeifel, Kalvarienbergstr. 1, 54595 Prüm per E-Mail: keb.westeifel(at)bistum-trier.de oder unter Tel.: 06551-9655640.

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