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20.01.2019

Die Kirchenkrippe in Lichtenborn ist mehr als Geburt und Könige

Lichtenborn (red/boß) In der aktuellen Advents- und Weihnachtszeit ist die Lichtenborner Kirchenkrippe wieder mit den schönen Figuren des berühmten Bildhauers Otto Zehentbauer in verschiedenen Szenerien aufgebaut worden.

Zur Darstellung gelangen vom 1. Advent bis Mitte Februar im 14-tägigen Rhytmus die sechs Episoden: Verkündigung, Herbergsuche, Geburt, Epiphanie, Flucht nach Ägypten und Darstellung des Herrn im Tempel. Das Besondere an der Krippe sind der geschichtliche Rückblick sowie die bekleideten und beweglichen Figuren.

Fotogalerie   

 

Flucht nach Ägypten

     

Die heiligen drei Könige bringen ihre Gaben

               

Geburt 

                   

Herbergssuche

                    

Verkündigung

             

Fotos Gerd Staus

Hintergrund:
Bei Pastor Joseph Klassen (*1885, +1947) entwickelte sich schon früh der Wunsch, Pfarrer einer kleinen Pfarrei zu werden, um seinem schriftstellerischen Talent sowie seiner leidenschaftlichen Krippenliebhaberei nachgehen zu können. Diesem Wunsch wurde mit seiner Ernennung zum Pfarrer des kleinen Höhenortes Lichtenborn bei Arzfeld am 22.09.1918 entsprochen. Seine Krippenliebhaberei sowie sein großes Wirken auf dem Gebiet der Verbreitung der Weihnachtskrippe machten ihn weit über die Grenzen des Eifelraumes hinaus bekannt.
So begann er mit einer Krippe im Pfarrhaus, deren Dimension ihm schon bald zu klein erschien. Deshalb entschloss er sich, den Krippenbau zunächst vor einem Seitenaltar im Kirchenschiff der Pfarrkirche fortzuführen.
Karl Klassen - ein Halbbruder des "Krippenpfarrers"- der ebenfalls im Lichtenborner Pfarrhaus wohnte, war ein Meister in der Landschaftsgestaltung und reiste als Krippenbauer weit umher, sogar bis nach München. Die Brüder Klassen ließen dort in Feldmoching bewegliche Figuren von einem der bedeutendsten deutschen Bildhauer im Bereich Krippenbau, Otto Zehentbauer (*1880, +1961), anfertigen. Angekleidet wurden die schönen Figuren im Pfarrhaus zu Lichtenborn.
Zehentbauer gestaltete Altäre, Heiligenfiguren, Kriegerdenkmale, Kruzifixe, Brunnenskulpturen und spezialisierte sich schließlich auf Krippenfiguren. So finden sich noch heute bedeutende Zehentbauer-Krippen u.a. in den Domkirchen zu Aachen, Speyer und München. Die fast lebensgroßen Figuren der Aachener Domkrippe galten lange Zeit als größte bewegliche Krippenfiguren nördlich der Alpen. Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte Zehentbauer auch Figuren für das Ausland. In Amerika tauchten sogar Fälschungen auf!
Durch den Eifer des Lichtenborner Pfarrers wurde Zehentbauer im Rheinland bekannt. Klassen organisierte Wanderausstellungen u.a. in Ahrweiler, Bonn und Köln, die er mit Werken Zehentbauers beschicken ließ. Auch Lichtenborner Figuren kamen dort zum Einsatz.
Pastor Klassen orderte unzählige Figuren bei Otto Zehentbauer und verhalf vielen Gemeinden im Eifelraum und an der Mosel zu sehenswerten Krippen. So finden sich noch heute Zehentbauer-Krippen in Waxweiler, Bettingen, Springiersbach, Bernkastel und Moselkern.
Die Landschaft der Lichtenborner Kirchenkrippe wurde immer weiter ausgedehnt. So wurde der Hochaltar bis zum Tabernakel abgebaut und durch die Wurzel- bzw. Landschaftskrippe großflächig ersetzt.
Aber nicht nur die Weihnachtsgeschichte wurde dargestellt, sonder auch die dem Kirchenjahr entsprechenden Evangelien. Es handelte sich also bei den beiden Krippen - in Kirche und Pfarrhaus - um Ganzjahreskrippen! Dabei war es vorteilhaft, dass die Figuren verstellbar und beweglich waren und so verschiedene Rollen darstellen konnten.
Somit hatte Lichtenborn in den 20er und 30er Jahren einen Besucherzustrom wie kein anderer Ort im damaligen Kreis Prüm, denn die beiden Krippen - in Kirche und Pfarrhaus - galten als absolute Sehenswürdigkeiten! Das ganze Jahr über strömten die Menschen zur Lichtenborner Krippenschau, nicht nur aus der deutschen Eifel, sondern auch aus Belgien und Luxemburg.
Pfarrer Klassen verstarb am 20.02.1947 und fand seine letzte Ruhestätte neben seinem Bruder Karl auf dem Friedhof zu Lichtenborn. Eine Krippendarstellung ziert das Grabdenkmal der Brüder Klassen.
Der Bau einer Weihnachtskrippe wurde dann jahrzehntelang von Küster und Organist Michel Hitzges weitergeführt, der 1983 vom Krippenbau-Trio Günter Schmitz, Peter Kockelmann und Günter Mohr abgelöst wurde.
Im Laufe der Jahre wurden einige der noch vorhandenen Figuren restauriert und zum Teil neu eingekleidet.
Seit dem Jahr 2000 ist Gerd Staus als hauptverantwortlicher Krippenbauer tätig. So wird die Krippe nun seit einigen Jahren wieder in mehreren Szenerien rund um die Weihnachtsgeschichte aufgebaut und kann vom 1. Advent bis Mitte Februar besichtigt werden.
 
Gerd Staus

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