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14.03.2019

Tornado „Franz“ verwüstet Nordeifelgemeinde Roetgen - mit WetterOnline-Interview

Roetgen/Eifel (red/boß) Einige Straßenzüge der Eifelgemeinde Roetgen im Städtedreieck Aachen – Simmerath – Monschau wurden am Mittwochnachmittag durch das Sturmtief Franz zerstört. Der Tornado

schlug mit bis zu 180 km/h eine Schneise der Verwüstung durch die 8.600 Einwohner zählende Ortschaft. Bäume und Straßenlaternen knickten um, Gartenlauben flogen durch die Luft, Autos wurden umhergeschleudert und nach den ersten Erkenntnissen rund 40 Häuser beschädigt. Zehn davon sollen unbewohnbar sein und etwa 30 Bürgerinnen und Bürger wurden durch die Sturmkatstrophe obdachlos.
Glücklicherweise gab es nur Leichtverletzte. In einer örtlichen Turnhalle wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Rund 230 Feuerwehrkräfte, Helfer und Polizisten waren im Einsatz.
Auch gab es in NRW mehrere sturmbedingte Unfälle und Störungen im Bahnverkehr.

Quelle: WetterOnline


Drei Fragen an Matthias Habel, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline:

Was ist ein Tornado?

Matthias Habel:
„Tornados, die heftigsten Windsysteme der Erde, sind im Unterschied zu den bis zu 1000 Kilometer Durchmesser erreichenden "Hurrikans" oder auch "Taifunen", sehr kleinräumige Wirbelstürme, die nur selten einen Durchmesser von mehr als einem Kilometer erreichen. Ihr schlauchartig von Gewitterwolken bis auf den Erdboden herabreichender Sturmrüssel erinnert vom Aussehen an den rotierenden Wasserstrudel über einem Badewannenabfluss. Wegen den enormen Windgeschwindigkeiten, die innerhalb der kreisenden Luftsäule bis über 500 km/h erreichen können, hinterlassen Tornados entlang ihrer Zugbahn oft eine Schneise der Verwüstung.“

Ist ein Tornado ein seltenes Ereignis in Deutschland?

Matthias Habel: „Erst am 16. Mai 2018 führte ein Tornado bei Viersen zu schweren Schäden. Aber auch in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten haben Tornados immer wieder auch Teile von Deutschland heimgesucht, darunter mehrere F4-Stürme und sogar zwei F5-Tornados mit errechneten Windgeschwindigkeiten über 418 km/h sind überliefert. Und neben diesen großen und sehr zerstörerischen Tornados gab es schon immer zahllose weitere, schwächere Tornados der Stärken F0 bis F2. Allein aufgrund der geringen Besiedlungsdichte wurden in früheren Tagen nur vergleichsweise wenige dieser Fälle bekannt. So schätzen Experten die Zahl der Tornados in Deutschland lange Zeit nur auf 10 bis 20 Fälle pro Jahr, doch die Menge der in den vergangenen Jahren gesicherten Beobachtungen deutet eher auf wenigstens 30 bis 40 Fälle hin. Daher ist zu erwarten, dass auch die offizielle Tornadostatistik Deutschlands in nächster Zeit noch deutlich nach oben korrigiert werden muss.“

In welche Kategorie gehört der Tornado von Roetgen? – Die Fujita Skala

Matthias Habel: „Der Tornado von Roetgen ist mit 180 Kilometer pro Stunde in die Kategorie F1 der Fujita Skala einzuordnen. Die Fujita-Skala wurde 1971 von Dr. Tetsuya Theodore Fujita eingeführt und beschreibt die Stärke eines Tornados unter den Aspekten Windgeschwindigkeit und Zerstörungsgrad. Im Allgemeinen werden für die Tornado-Klassifikation die Stärken F0 für Windgeschwindigkeiten von 116 Kilometer pro Stunde mit leichten Schäden bis F5 für Windgeschwindigkeiten über 418 Kilometer pro Stunde und verheerenden Verwüstungen benutzt, teilweise wird auch noch F6 hinzugenommen.“

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